Wann ist der Blutdruck zu hoch und warum?

Die ideale Höhe des Blutdurcks veränderte sich in der Vergangenheit immer wieder, je nach wissenschaftlichem Erkenntnisstand.

140/90 mmHg – diesen Wert definiert die Medizin aktuell als höchsten akzeptablen Blutdruck. Alles was darüber ist, gilt als Bluthochdruck oder Hypertonie. Das war nicht immer so. Als Präsident Franklin D. Roosevelt 1945 an einer Hirnblutung verstarb, sahen die Ärzte keinen Zusammenhang mit seinem Blutdruck von 300/190 mmHg. Die Erkenntnis über die Bedeutung des Blutdrucks entwickelte sich erst danach.

Was ist Blutdruck?

Das Herz pumpt Blut durch den Körper. Soweit – so klar. Wie macht es das? Es füllt sich durch den Eingang (Hohlvene, Lungenvene) mit Blut, schliesst seine Klappen und danach zieht sich das Herz zusammen und presst das Blut durch den anderen Ausgang (Aorta, Pulmonalarterie) wieder raus. Die Füllungsphase ist die Diastole, die Phase, in der sich das Herz zusammenzieht, ist die Systole. So durchblutet das Herz-/Kreislaufsystem alle Organe und versorgt sie mit Nährstoffen und Sauerstoffen.

Der Blutdruck bezeichnet den Druck im Inneren der Blutgefässe. Gemessen wird dies in mmHg – Millimeter Quecksilbersäule. Beträgt der Blutdruck 140/90 mmHg. Bedeutet dies, dass der Druck in den Gefässen in der Systole bei 140 mm Hg (oder 0.1862 bar) und in der Diastole bei 90 mm Hg (oder 0.1197 bar) liegt. Zum Vergleich der Druck eines Autoreifens liegt bei 3.0 bar.

Heute wichtiger Wert in der medizinischen Diagnostik

Heute ist der Blutdruck einer der wichtigsten Werte in der medizinischen Diagnostik. Denn Bluthochdruck erhört das Risiko eines Herzinfarkts oder Hirnschlags um ein Vielfaches. Deshalb ist die Blutdruck-Senkung eine unbestrittene Therapie in der Medizin.

Hoher Blutdruck als wichtige Funktion des Körpers

Die erste Blutdruckmessung führte 1896 ein italienischer Arzt mit seinem neu entwickelten Apparat durch – den Sphygmomanometer. Wir verwenden heute dieselbe Technik wie Riva Rocci damals.

Die Methode fand rasch Eingang in die ärztliche Praxis. Die damaligen Ärzte stellten fest, dass die erhobenen Werte stark schwankten. Insbesondere ältere Patienten oder solche mit Nierenerkrankungen wiesen hohe Blutdruckwerte auf. Daraus folgerten die Mediziner, dass der Körper durch den höheren Blutdruck eine Minderdurchblutung der Organe verhindert.

Also hielten die Ätze die Hypertonie wichtig für die Gesunderhaltung des Köpers – daher auch die Bezeichnung essentielle Hypertonie. Man bezeichnet Bluthochdruck ohne erkennbare Ursache bis heute als essentielle Hypertonie. Niemals wäre es den Ärzten in den Sinn gekommen, den Blutdruck zu senken!

Ist Hypertonie doch nicht so gut?

Nach ungefähr vierzig Jahren Blutdruckmessung fiel einigen besonders analytischen Doktoren auf: Patienten mit hohen Blutdruckwerten versterben häufiger. So gesund schien die Hypertonie doch nicht zu sein. Damit begannen die ersten Studien, die den Zusammenhang von Bluthochdruck und Tod bewiesen. Um die Krankheit als Ursache zu identifizieren, galt es weitere Beweise anzuführen. Nämlich, dass die Senkung des Blutdrucks das Sterben verhindern kann.

Die Ersten, die den Blutdruck zu senken vermochten, waren die Chirurgen – mittels Sympathektomie. Dabei wird in einer Operation der Sympathikus-Nerv durchtrennt. Diese heute brachial anmutende Methode setze sich aufgrund der hohen Nebenwirkungen nicht durch.

Die ersten Studien mit pharmazeutischen Mitteln waren sehr vielversprechend und bildeten den Grundstein für die heutige Praxis.

Stetig fallende Zielblutdruckwerte

Mit all diesem Wissen galt es einen Wert zu definieren, der allgemeine Gültigkeit hat und an dem sich die Mediziner in ihrem Alltag orientieren können. Die Bestimmung dieses Zielwertes ist kein einfaches Unterfangen und deshalb in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Nichts desto trotz gab und gibt es Empfehlungen.

Die ersten Zielwerte gaben systolisch 140 plus Alter vor. Bei älteren Patienten konnte deshalb der Normwert bei einem systolischen Blutdruckwert von 200 liegen. Später einigte man sich auf 160 und landete schliesslich beim heute gültigen 140 mmHg.

Bis heute gibt es aber immer wieder Diskussionen über den «normalen» Blutdruck. So gibt es einige Guidelines, die einen Wert von 150 für ältere Patienten zulassen wollen andere empfehlen 120 als oberste Grenze. Was ist richtig?

Kerngesunde indigene Völker mit tiefen Blutdruckwerten

Sinnvoll wäre wahrscheinlich sich an Menschen zu halten, die so ursprünglich wie möglich leben – also als Jäger und Sammler. Bei den Tsimane-Indios im bolivianischen Amazonas haben sogar die älteren Stammesmitglieder noch einen Blutdruck von 100/70 mmHg und sind topfit. Die Tsimane bewegen sich im Gegensatz zu uns durchschnittlich 8h am Tag, um ihre Nahrungsaufnahme sicherzustellen.

Also Blutdruck senken auf Teufel komm raus?

Wir wissen jetzt also, dass ein hoher Blutdruck ein erhöhtes Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen birgt und naturnahe Völker einen sehr tiefen Blutdruck haben. Also ist doch die Lösung ganz einfach. Wir senken den Blutdruck einfach auf 120/80 mmHg und alles ist gut.

So einfach ist die Sache aber nicht, denn ein zu tiefer Blutdruck kann andere Krankheiten beziehungsweise Symptome hervorrufen wie zum Beispiel eine Unterfunktion der Niere bei schon bestehender Nierenkrankheit oder Schwindel bis hin zur Ohnmacht.

Die Zukunft liegt in der personalisierten Medizin

Momentan halten sich hierzulande die meisten Ärzte an die Empfehlung, dass Patienten einen Blutdruck von unter 140/90 mmHg aufweisen sollen. Die Zukunft liegt wohl in der personalisierten Medizin. Denn nicht jeder Hypertoniker ist gleich. Bei jüngeren Patienten kann man durchaus in Betracht ziehen, den Blutdruck aggressiv zu senken. Denn bei Ihnen ist die Gefahr einer Ohnmacht mit nach sich ziehenden Stürzen und Knochenbrüchen gering.

Bei älteren Patienten, deren Organe bereits eine Schädigung aufweisen oder die sturzgefährdet sind, muss der Arzt Vor- und Nachteile einer Blutdrucksenkung abwägen. Eventuell ist hier ein etwas höherer Blutdruck sinnvoll.

Gut beraten ist in jedem Fall, wer einen Arzt hat, der sich seiner Person und seinen Lebensumständen eingehend befasst und die Behandlung auf ihn zuschneidet.

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