{"id":2388,"date":"2019-12-20T13:05:07","date_gmt":"2019-12-20T13:05:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.praxisambahnhof.ch\/blog\/?p=2388"},"modified":"2025-11-17T12:15:14","modified_gmt":"2025-11-17T12:15:14","slug":"von-habana-nach-rueti-assistenzarzt-elvin-diaz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.praxisambahnhof.ch\/blog\/von-habana-nach-rueti-assistenzarzt-elvin-diaz\/","title":{"rendered":"Von Havanna nach R\u00fcti &#8211; Assistenzarzt Elvin Diaz"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.praxisambahnhof.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Elvin-Diaz-2-1024x683.jpg\" alt=\"Unser Assistenzarzt Elvin Diaz erz\u00e4hlt, wieso in der Schweiz ist.\" class=\"wp-image-2404\" srcset=\"https:\/\/www.praxisambahnhof.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Elvin-Diaz-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.praxisambahnhof.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Elvin-Diaz-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.praxisambahnhof.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Elvin-Diaz-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.praxisambahnhof.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Elvin-Diaz-2-720x480.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Unser Assistenzarzt Elvin Diaz stammt aus Honduras und hat in Havanna Medizin studiert. In der Schweiz gef\u00e4llt es ihm sehr und er hat in der Hausarztt\u00e4tigkeit seine Berufung gefunden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Herr Diaz, wollten Sie schon immer Medizin studieren und Arzt werden?<\/h6>\n\n\n\n<p>Schon als Kind habe ich mich gefreut, wenn ich meine Mutter und Grossmutter zu Arztterminen begleiten konnte. Ich fand es immer spannend mich in der Arztpraxis aufzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Sekundarschule interessierte ich mich eher f\u00fcr das Tanzen und die Musik. Sp\u00e4ter habe ich dann ein Studium als Ingenieur begonnen, haupts\u00e4chlich weil das f\u00fcr mein Vater ein Traumberuf war. Ich dachte wieso nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Zeit merkte ich aber, dass die T\u00e4tigkeit als Ingenieur wohl doch nicht das Richtige f\u00fcr mich ist. Ich wollte Menschen helfen. Auch fand ich das, was meine Medizin studierenden Freunde erz\u00e4hlten, extrem spannend war. So habe ich umgesattelt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Honduras, wo ich aufgewachsen bin, gibt es nur sehr wenige Studienpl\u00e4tze an der medizinischen Fakult\u00e4t und ohne Stipendium ist das Studium teuer. Deshalb habe ich mich in anderen L\u00e4ndern umgesehen. In Kuba habe ich schliesslich ein Stipendium erhalten.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Was sind die Unterschiede von Lateinamerika zur Schweiz?<\/h6>\n\n\n\n<p>In Kuba existiert ein gut strukturiertes Hausarztsystem. Jedes Quartier hat einen Hausarzt. Im Notfall stehen Polikliniken zur Verf\u00fcgung, die \u00e4hnlich aufgebaut sind, wie die Praxis am Bahnhof. In Kuba ist nat\u00fcrlich alles staatlich geregelt.<br>Insofern ist die Situation in Kuba \u00e4hnlich wie in der Schweiz. Das Gesundheitssystem funktioniert gut und die medizinische Versorgung der Bev\u00f6lkerung ist gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n\n\n\n<p>In Honduras sieht die Situation anders aus. Die regionale Versorgung ist nicht \u00fcberall gew\u00e4hrleistet und \u00fcber 80% der Bev\u00f6lkerung sind nicht krankenversichert. Ganz anders als in Kuba, lassen sich jene, die es sich leisten k\u00f6nnen in teuren Privatpraxen behandeln. Grosse Teile der Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnen dies nicht bezahlen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">&#8222;<em>Erst als ich hierher kam, habe ich gemerkt, was mir in der Chirurgie gefehlt hatte: Der Kontakt mit den Patienten.<\/em>&#8222;<\/h3>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Warum sind Sie in die Schweiz gekommen?<\/h6>\n\n\n\n<p>In Honduras muss man als Ausl\u00e4nder den Facharzt selber finanzieren. Das h\u00e4tte meine finanziellen M\u00f6glichkeiten \u00fcberschritten. <\/p>\n\n\n\n<p>Also habe ich ein Land gesucht, in dem ich meine Facharzt-Ausbildung machen kann. Spanien lag wegen der Sprache nahe. Ich habe dort ein paar Monate in einem Altersheim gearbeitet. Es stellte sich aber heraus, dass die Erlangung des Facharzttitels in Spanien sehr kompliziert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Freunden erfuhr ich, dass es in der Schweiz einfacher m\u00f6glich ist, Facharzt zu werden, wenn man die Sprache lernt. So bin ich hier gelandet.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Wie ist das, wenn man zum ersten Mal als Arzt vor einem Patienten steht?<\/h6>\n\n\n\n<p>Dies geschieht, wenn man die erste Stelle als Assistenzarzt antritt. Davor ist man Unterassistent und tr\u00e4gt noch nicht die volle Verantwortung. Auf der einen Seite war ich darum etwas nerv\u00f6s. Auf der anderen Seite habe ich mich sehr gefreut, mein jahrelang erlerntes medizinisches Wissen endlich anzuwenden!<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Man h\u00f6rt immer wieder, die Assistenz\u00e4rzte seien schlecht bezahlt und machten am meisten \u00dcberstunden im Krankenhaus. Wie schlimm ist es wirklich?<\/h6>\n\n\n\n<p>Ich finde den Lohn als Assistenzarzt in der Schweiz nicht so schlecht. Die meisten \u00dcberstunden fallen f\u00fcr das Berichteschreiben an. Als Assistenzarzt schreibt man sehr viele Rapporte, Ein- und Austritte oder sonstige Berichte. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde dieses Vorgehen einerseits gut, denn in Lateinamerika halten wir die Dokumentation sehr kurz. Das heisst, der n\u00e4chste Arzt kennt die Krankengeschichte viel weniger genau, was die Qualit\u00e4t der Behandlung beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich an der hierzulande detaillierten Erfassung kritisiere, ist das Ziel dahinter. Wir m\u00fcssen sehr vieles f\u00fcr die Krankenkassen dokumentieren, was f\u00fcr die Behandlung nicht zwingend notwendig w\u00e4re. Diese Zeit w\u00fcrde ich lieber f\u00fcr den Austausch mit den Patienten verwenden.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Was ist anders daran in einer Praxis wie der Praxis am Bahnhof zu arbeiten als im Krankenhaus?<\/h6>\n\n\n\n<p>Der gr\u00f6sste Unterschied ist, dass es keine Nachtschicht und keine station\u00e4re Abteilung gibt. Was mir an der Praxis sehr gut gef\u00e4llt, ist dass ich die Erkrankung der Patienten von Anfang bis Ende begleiten kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Krankenhaus betreust du die Patienten und wenn sie nach Hause gehen, schickst du sie zur Kontrolle zum Hausarzt. Du begleitest den Patienten und den Krankheitsverlauf nicht bis ganz zum Schluss. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Kontakt mit den Patienten ist hier intensiver. Im Spital kommt dieser oft zu kurz.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Wissen Sie schon, welche Fachrichtung Sie einschlagen wollen?<\/h6>\n\n\n\n<p>Ich habe ein Jahr in der Chirurgie assistiert. Obwohl dies ein sehr spannendes Fach ist, habe ich mich nicht richtig wohlgef\u00fchlt. Ich wusste nicht recht wieso. Erst als ich hierher kam, habe ich gemerkt, was mir gefehlt hatte: Der Kontakt mit den Patienten. Darum weiss ich jetzt, dass mein Ziel die Arbeit als <a href=\"https:\/\/www.praxisambahnhof.ch\/de\/fachgebiete\/allgemeine-medizin\">Hausarzt<\/a> ist.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Was sind die gr\u00f6ssten Herausforderungen in Ihrem Beruf?<\/h6>\n\n\n\n<p>Ich muss in kurzer Zeit die richtige Diagnose stellen und die korrekte Therapie verordnen. Das ist sicher die gr\u00f6sste Herausforderung. Die Zeit, welche die Krankenkassen pro Patient vorgeben, setzt uns \u00c4rzte unter einen grossen Druck. Mir ist es sehr wichtig, trotzdem auf die Bed\u00fcrfnisse meiner Patienten einzugehen und die W\u00fcrde hoch zu achten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">&#8222;<em>Wir sagen in der Medizin 2&#215;2 <\/em><br><em>ist nicht gleich 4.<\/em>&#8222;<\/h3>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Was war die sch\u00f6nste oder lustigste Geschichte, die Sie je mit einem Patienten erlebten?<\/h6>\n\n\n\n<p>Wir hatten in der Chirurgie einen Patienten mit einem Darmverschluss. Der Oberarzt hat die Notfall-Operation durchgef\u00fchrt und ich habe den Herrn danach auf der Station betreut. Bei seinem Austritt war er so dankbar, dass er zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt war. Ich habe ihm zum Abschied die Hand zum Gruss gereicht, er aber hat mich aus lauter Dankbarkeit umarmt. Das hat mich sehr ber\u00fchrt.  <\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Wann freuen Sie sich in Ihrem Beruf?<\/h6>\n\n\n\n<p>Wenn ich meinen Patienten zur Heilung verhelfen konnte oder es ihnen sonst besser geht. Ich versuche auch immer die psychosomatische Seite, also die nicht k\u00f6rperlichen Ursachen einer Erkrankung zu untersuchen und in die Behandlung mit ein zu beziehen.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Wann \u00e4rgern Sie sich in Ihrem Beruf?<\/h6>\n\n\n\n<p>Wir sagen in der Medizin 2&#215;2 ist nicht gleich 4. Das bedeutet, auch wenn Frau Huber dieselben Symptome wie Frau Meier hat, ist nicht unbedingt dieselbe Therapie geeignet bzw. ist es dieselbe Krankheit. Ich \u00e4rgere mich, wenn ich nicht auf Anhieb herausfinde, was einem Patienten fehlt. Dann gehe ich nach Hause und w\u00e4lze die Fachliteratur, bis ich herausgefunden habe, wo das Problem liegt. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt auch Leute, die nur vorbei kommen, um ein Arbeitszeugnis zu erhalten, obwohl sie kaum krank sind. Das \u00e4rgert mich und ist respektlos gegen\u00fcber denjenigen, die wirklich krank sind. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Assistenzarzt Elvin Diaz stammt aus Honduras und hat in Havanna Medizin studiert. In der Schweiz gef\u00e4llt es ihm sehr und er hat in der Hausarztt\u00e4tigkeit seine Berufung gefunden. Herr Diaz, wollten Sie schon immer Medizin studieren und Arzt werden? 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